150 Jahre AGV

Wie alles anfing

1861 gründeten Studenten, die gemeinsam singen wollten, den Akademischen Gesangverein München. Im Gegensatz zu den meisten Verbindungen dieser Zeit, wollten seine Gründer, dass der AGV sich nicht politisch sondern durch kulturelle Leistungen hervorhebt. Bereits in seiner ersten Satzung wurde er als nichtfarbentragende, nichtschlagende und nicht konfessionelle Korporation definiert. Aus Freundschaft zu anderen musischen Verbindungen entstand 1867 unser Dachverband, der Sondershäuser Verband. Nachdem die ersten Mitglieder des Akademischen Gesangvereins ihr Studium beendet hatten, folgte 1874 die Gründung des Philisterverband des AGVs. 1890 entschied man sich, die Gaststätte Scholastika in der Ledererstraße als Vereinshaus für den aufstrebenden Verein zu erwerben.

Der Vizekonsul und das Postscheckamt

1914 wurde die „Alte Scholastika“ zu klein für den Verein und man beschloss ein neues Vereinshaus am gleichen Platz zu bauen, das bereits im Oktober 1915 bezogen werden konnte. Nach dem Krieg war die wirschaftliche Lage allerdings desolat: Während des Ersten Weltkrieges waren von den über 2200 Mitgliedern 158 gefallen, zusätzlich waren die Kassen durch die Inflation leer. Hilfe kam in Form harter Dollar: Die Scholastika wurde Amtssitz des Vizekonsuls der USA, Robert Daniel Murphy. Der große Saal wurde an das Postscheckamt vermietet.

Konzert für Münchner Arbeitslose und 20 Mio. Semesterbeitrag

Der AGV schaffte es in den unruhigen 20er Jahren ein halbwegs normales Vereinsleben aufrecht zu erhalten. Während der Hyperinflation von 1923 stiegen die Semesterbeiträge des Philisteriums allerdings von 1000 Mark auf 20 Mio Mark (2. Oktober 1923). Bereits 1930 ging es durch die Weltwirtschaftskrise wieder bergab, die finanzielle Situation der Studenten wurde schlechter. In diese Zeit fiel auch ein Konzert für die Münchner Arbeitslosen, damit diese nicht völlig vom Kulturgenuss ausgeschlossen waren. Um der zunehmenden Nationalisierung entgegen zu treten, richtete der AGV 1932 das „Erste Internationale Studententreffen“ aus. Es nahmen der Yale Glee Club, der Obelic-Chor aus Yugoslawien und der Budapester Universitätschor teil. Ehrengast war auch der US Generalkonsul Murphy, der den AGV zur 1933er Weltausstellung nach Chicago einlud, was aber durch die Machtübernahme 1933 unmöglich gemacht wurde.

Der Zweite Weltkrieg

Da die braunen Machthaber alles in ihre Strukturen integrieren wollten, führte dies bei Studentenverbindungen, die sich nicht mit den Zielen des Nationalsozialismus identifizieren konnten, zu hohem Anpassungsdruck. Der AGV versuchte Eigenständigkeit und Besitz zu bewahren, konnte aber eine „Zwangsarisierung“ und die Umwandlung in eine NS – Kameradschaft nicht verhindern. Nur der totale Zusammenbruch der Nazidiktatur verhinderte eine Enteignung des Hauses. Bereits bis Anfang 1934 waren zwei Bundesbrüder dem Braunen Terror zum Opfer gefallen. Obwohl auch hier Bundesbrüder auf Seiten der Machthaber und ihrer Gegner standen, kam es zu keiner Denunziation innerhalb der Verbindung. Das traditionelle Verbindungsleben wurde bereits vor dem Krieg immer mehr behindert, der zweite Weltkrieg brachte es dann fast völlig zum Erliegen.

Von der Militärregierung zum 100. Stiftungsfest

Vom 30. Januar 1933 bis zum 8. Mai 1945 waren 149 AGVer ums Leben gekommen, 34 waren vermisst, das Haus aber zum Glück nur leicht beschädigt. Für die Militärregierung war der AGV erst einmal rechtlich nicht vorhanden und musste sich zum 26. September 1946 neu gründen, wurde allerdings erst 1948 anerkannt. 1948 war es dann auch möglich, heimlich eine neue Aktivitas zu gründen, die bis 1951 auf über 150 Mitglieder anwuchs. Um das Ansehen der Deutschen Studentenverbindungen im Auslandwieder zu verbessern lud der AGV Mitglieder des Internationalen Studentenclubs (ISC) 1952 zu einer „Gästekneipe“ aufs Haus. 1954 kam es wieder zu einem Internationalen Studentischen Sängertreffen in München, bei dem es zu einem gemeinsamen Konzert der Universitätschöre Helsinki, Stockholm und Belgrad, dem Yale Glee Club und des AGV im Herkulessaal der Münchner Residenz kam. In den 50ern und frühen 60ern knüpften die Verbindungsveranstaltungen wieder an das traditionelle Niveau an, der Höhepunkt war das 100. Stiftungsfest 1961.

Seit den 60ern

Das Jahr 1968 brachte auch im AGV viele Diskussionen, einige SV Mitgliedsbünde begannen auch Damen aufzunehmen, München beschloss sich nach langen Diskussionen dem Gründungsgedanken einer klassichen Studentenverbindung treu zu bleiben. Heute sind alle künstlerischen Aktivitäten des AGVs gemischt, die Trägerschaft hingegegen liegt bei der Studentenverbindung, die durch ihr Lebensbundprinzip organisatorische und auch finanzielle Konsistenz bietet. Für den AGV München hat sich dieser Entschluß bewährt. 2011 konnte der AGV sein 150tes Stiftungsfest mit einem Aufführung der „Carmina Burana“ im Herkulessaal und einer Theaterproduktion in der Reithalle (eigenes Stück und Musik) begehen.